Parodontitis in Deutschland meist falsch behandelt

Zahnärzte schlagen Alarm: Paradontitis wird in Deutschland meist gar nicht oder aber falsch behandelt. „Jeder zweite Deutsche habe Zahnfleischprobleme", sagte Jürgen Fedderwitz von der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zu einem Pressegespräch am 6. August 02, „aber den Wenigsten werde geholfen!" So hätten die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr nur 750.000 Behandlungen gezählt. Angesichts von etwa 50 Millionen Versicherten über 18 Jahren sei dies eine verschwindend geringe Zahl.

Wenn behandelt wird, dann entspricht das laut Fedderwitz oft dem medizinischen Stand des vergangenen Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stamme der Abrechnungsmodus der Krankenkassen. Fedderwitz warf der gesetzlichen Krankenversicherung vor, Erkenntnisse zur Paradontitis einfach zu missachten. „Wissenschaftlich nachgewiesen und für die Einordnung der Krankheit evident ist der Zusammenhang zwischen Parodontitis und anderen Krankheiten: Ein Parodontitis-Patient trägt ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen, für Schlaganfall und Diabetes, und bei schwangeren Frauen mit einer Erkrankung des Zahnfleisches steigt das Risiko einer Frühgeburt. Hinzu kommen Reizfaktoren wie das Rauchen, was eine Parodontitis zum einen verschlimmert, zum anderen die Behandlungschancen bzw. die Prognose drastisch verschlechtert."

Heute wird die Parodontitis als eine opportunistische Infektion angesehen. Das heißt, es bedarf zweier wesentlicher Voraussetzungen: Das Vorhandensein pathogener Keime und das für deren Vermehrung notwendige Milieu.

Bei der Prävention opportunistischer Infektionen werden pathologische Keime nicht vollständig eliminiert, sondern auf einem niedrigen Niveau gehalten. Fedderwitz: „Eine erfolgreiche Parodontaltherapie ist es, wenn es gelingt, das Bakterienmilieu unterhalb des Zahnfleischsaumes vor dem Überhandnehmen pathogener Keime zu bewahren. Der Leistungskatalog der Kassen sieht für jeden Versicherten aber nur eine Paradontitis-Behandlung im Leben vor! Es gibt aber keine Nachsorge. Überspitzt heißt das, ein Großteil der GKV-Ausgaben für die Paradontalbehandlung ist heute für die Katz': Im vergangenen Jahr waren das den Angaben zufolge rund 500 Millionen Euro. Fedderwitz: „Für die Zukunft wollen wir hierzu die Versorgung mit befundbezogenen Festzuschüssen verbessern und die GKV-Gelder sinnvoller einsetzen. Eine 100 %ige Sachleistung der gesamten PAR-Therapie, quasi nach dem Gießkannenprinzip, führt nach anerkannter Expertenmeinung nicht zum Ziel. Da die Steuerungsfunktion des Patienten ein ganz wesentliches Kriterium für den Behandlungserfolg ist, ist hier auch seine Mitverantwortung und damit Mitbeteiligung unerlässlich. Er ist das wichtigste Glied in der Behandlungskette für einen Langzeiterfolg."