Funktionsanalyse, Registrierung

 

Wir werden mit Hilfe eines Gesichtsbogens eine Registrierung Ihrer Kiefer sowie der Kiefergelenke durchführen“. Diese Aussage wirft beim Patienten wahrscheinlich einige Fragen auf: Gesichtsbogen? Tut das weh? Registrierung meines Kiefergelenkes, wofür soll das gut sein?

Zur korrekten Herstellung einer Aufbissschiene, Zahnkrone, Brücke oder Prothese bedarf es aufwendiger Vorbereitungen.

Wie ein Vermessungsingenieur das Land vermisst, durch das eine Straße gebaut werden soll, oder ein Statiker Berechnungen für den Hausbau anstellt, muss der Zahnarzt sowohl exakt die „skelettalen“ Daten des Kiefergelenks als auch der oberen und unteren Kieferknochen, sowie deren Lage in Relation zum Schädel ermitteln. Ohne Vermessung und gesichertes Fundament kann die Straße plötzlich absinken oder das Haus zusammenbrechen . Analog dazu können die neuen Zähne ohne vorbereitende Maßnahmen ebenfalls ihre Aufgabe nicht erfüllen.

In der Zahnmedizin nennt man den Vorgang der Vermessung „Registrierung“.

Das Kiefergelenk ist das einzige Gelenk des menschlichen Körpers, das aufgrund seiner besonderen Konstruktion nicht nur eine Drehbeweg ung ausführt. Es kann sich auch seitwärts, nach vorne und nach hinten bewegen. Alle diese Bewegungen führen beim Abbeißen und Kauen von Nahrung, zum Teil sogar beim Sprechen, zu kurzzeitigen Kontakten der oberen und unteren Zähne.

Die Zahnoberfläche der Backen- und Schneidezähne, die sozusagen "den verlängerten Arm des Kiefergelenkes“ darstellen, richten sich in ihrem Aussehen funktional exakt nach dem individuellen Bewegungsmuster eines jeden Patienten. Daher sind seine Zähne so individuell wie sein Fingerabdruck .

Um eine solche Individualität im Zahnlabor rekonstruieren zu können, ist für den Zahnarzt und den Zahntechniker nun wichtig zu wissen, wo sich sozusagen die "Nullstellung" des Kiefergelenkes befindet.

Der Zahnarzt legt sein "Messgerät", den Gesichtsbogen, am Kopf des Patienten an.

Dies ist für den Patienten auf gar keinen Fall schmerzhaft, allenfalls ungewohnt. Die ermittelten Werte werden im zahntechnischen Labor auf einen Artikulator (Gerät zur Simulation aller möglichen Kaubewegungen) übertragen. Mit ihm können patientenidentische Öffnungs-, Schließ- und Seitwärtsbewegungen der Kiefer simuliert werden . Nur so lassen sich perfekte Restaurationen der Zähne im zahntechnischen Labor erreichen.

Diese Registrierung ist also eine Voraussetzung für den Zahntechniker, um eine patientenidentische Arbeit zu fertigen. Sie ist immer ein absolutes Einzelstück, so individuell eben wie ein Fingerabdruck. Die Registrierung ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Je nach Situation und Aufwand entstehen Kosten zwischen 170.- und 400.- €. In jedem Fall erstellen wir im Voraus einen Kostenvoranschlag.

 

Funktionstherapie

Das Kiefergelenk und seine Beschwerden

Das Kiefergelenk ist das komplizierteste Gelenk des Menschen. Tagtäglich arbeitet es viele tausend Male: beim Öffnen und Schließen des Mundes, Abbeißen, Kauen, Sprechen, Schlucken. Es verbindet den Unterkiefer mit dem Schädel und kann sich dabei in allen drei Achsen bewegen und zudem gleichzeitig eine Rotations- und eine Gleitbewegung ausführen, etwa wenn man den Unterkiefer vorschiebt. Das Gelenkköpfchen ist mit dem Finger fühlbar, wenn man den Finger vor das Ohr legt und den Mund auf und zu macht.

Durch seine Komplexität ist es jedoch auch sehr anfällig.

Um die aufgenommene Nahrung zu zerkleinern, sind das Kiefergelenk, die Zähne und die Kaumuskulatur optimal aufeinander abgestimmt. Koordiniert wird der Kauvorgang durch einen Regelkreis aus Nerven. Auch die Zähne haben einen Tastsinn, welcher die gesamte Muskulatur von Kiefer, Hals, Gesicht und Nacken mitsteuert, um das Kauen zu ermöglichen. Im Normalfall funktioniert dieses komplizierte Zusammenspiel der beteiligten Muskeln mit den Zähnen und Gelenken reibungslos, es kann aber schnell durch Unregelmäßigkeiten gestört werden.

Funktionsstörungen des Kausystems sind eine weit verbreitete Erkrankung: nach Karies sowie Parodontose bilden sie die dritthäufigste Erkrankung des Kauorgans.

Geringfügige Störungen der Funktion des Kauapparates beobachten Zahnmediziner bei rund 80 % aller Menschen, gleichgültig, ob sie jung oder alt sind. Die meisten Störungen sind sehr geringgradig und können nur vom Fachmann wahrgenommen werden; sie haben keinen Krankheitswert. Nur rund 3-5% der Menschen haben Beschwerden, die so heftig sind, dass sie einen Arzt oder Zahnarzt aufsuchen.

Die Probleme können unterschiedlicher Natur sein. Die Beschwerden machen sich bemerkbar in Form von Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, Nackenschmerzen, Schulterschmerzen, chronische Verspannungen, Taubheitsgefühl in Armen und Fingern, Ohrgeräusche (Tinnitus), Halsempfindlichkeit, Zungenschmerzen, Kiefergelenkschmerzen, Bewegungseinschränkung des Unterkiefers, Migräne, Augenschmerzen, Schwindel. Meistens hört man ein Knacken oder Reiben beim Öffnen bzw. Schließen des Mundes oder beim Kauen. Oftmals bekommt man den Mund auch gar nicht mehr richtig auf oder es kommt zu einem "Ausrenken" des Kiefergelenks bei weiter Mundöffnung (z.B. beim Gähnen).

Die Ursachen für Kiefergelenkprobleme können vielfältig sein: angeborene, rheumatische oder infektionsbedingte Schädigungen der Gelenke, Haltungsschäden, eine Überbelastung, ein Unfall, stressbedingtes Zähneknirschen, Zahnfehlstellungen und falsche Zahnkontakte durch mangelhafte Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen, Zahnlücken, gekippte, gewanderte oder hochgewachsene Zähne sowie eine ungenügende Abstützung der Kiefer durch fehlende Zähne.

Spätfolgen eines falsch funktionierenden Kiefergelenks sind Schäden oder Zerstörung der Gelenkscheibe und des Gelenkknorpels, Entzündungen im Gelenk oder in der Kapsel (Arthritis) sowie eine knöcherne reaktive Verformungen des Gelenkkopfes.

Mit Kiefergelenkbeschwerden geht häufig auch eine Schiefhaltung der Wirbelsäule mit einer Rückenproblematik und Beckenschiefstellung einher. Daher ist eine definitive Therapie oft nur möglich unter Hinzuziehung versierter Orthopäden und Krankengymnasten, damit die Muskulatur symmetrisch ausgerichtet werden kann.

 

Die Therapie der Kiefergelenkprobleme

 

Eine erste Selbsthilfe bei Kiefergelenkerkrankungen kann darin bestehen, zunächst alle harten und krustigen Nahrungsmittel zu meiden. Statt dessen sollten Sie weiche und flüssige Speisen bevorzugen. Außerdem sollte langes Sprechen, weite Mundöffnung und Kaugummi vermieden werden. Stressabbau, Muskelübungen und Selbstmassage der verspannten Kaumuskeln können helfen, die Muskeln zu lockern und gleichmäßig zu aktivieren.

Eine wirksame erste Behandlungsmaßnahme für den Zahnarzt, egal welche Ursache den Kiefergelenkschmerzen zugrunde liegt, ist eine Entlastung des Kiefergelenkes mit einer Aufbißschiene: In der Regel liegt bei Kiefergelenkbe-schwerden eine Verkrampfung der Muskulatur zugrunde. Die Aufbißschiene hilft, die Muskulatur zu entkrampfen und zu entspannen. Dieses bringt eine deutliche Besserung. Durch die Entspannung löst sich wiederum die Verkantung des Kiefergelenkes, so dass es bei Bewegung in seiner Bahn bleibt. Auch das Knacken kann dann ausbleiben. Die Schiene bedeckt alle Kauflächen der Zähne, entkuppelt damit die bisherigen Zahnkontakte. Man simuliert mit Hilfe der Schiene eine ideale Position der Kiefer zueinander, die von den beteiligten Muskeln selbst bestimmt wird. Diese Position kann so lange geändert werden, bis eine schmerzfreie, gleichmäßige Bewegung möglich ist. Die Schiene ist zierlich und durchsichtig und wird über die oberen oder unteren Zähne gesetzt . So schützt sie bei Knirschern die Zähne auch vor extremer Abkauung. Sie sollte mindestens jede Nacht und gegebenenfalls auch tagsüber getragen werden. Stress muss auf jeden Fall vermieden werden. Die Behandlung kann mit muskelentspannenden Medikamenten und Therapien (Krankengymnastik) begleitet werden.

Das Behandlungsziel ist ein harmonisch funktionierendes Kausystem. Dafür muss die korrekte Position des Gelenkköpfchens in seiner Gelenkpfanne gefunden werden. Dazu werden die Bewegungen des Kiefers aufgezeichnet (Registrierung mit dem Gesichtsbogen) und an Hand dieser Aufzeichnungen seine korrekte Lage berechnet. Nun beginnt die eigentliche Arbeit: das Gebiss so einzustellen, dass die Bißsituation ohne Störfaktoren funktioniert bzw. so, wie es durch die Schiene simuliert wurde. Die zur permanenten Beseitigung derartiger Funktionsstörungen notwendigen Behandlungsmaßnahmen können sehr unterschiedlich sein. Als Beispiele sind etwa die Beseitigung von Gleithindernissen oder die Verkleinerung von Knirschflächen zu nennen. Gekippte Zähne müssen korrigiert werden. Vorhandene Zahnlücken sind durch Zahnersatz zu schließen. Gegebenenfalls muss die Kaufläche der Zähne komplett neu aufgebaut werden. Meistens wird die Lösung mit prothetischen Konstruktionen, wie zum Beispiel Kronen, Teilkronen, Inlays und Brücken herbeigeführt. Hierbei ist es jedoch besonders wichtig, dass diese prothetischen Arbeiten nach Registrierung mit dem Gesichtsbogen hergestellt werden, um neue Fehler zu vermeiden. Daneben kann auch auf die Kieferorthopädie zurückgegriffen werden um die Stellung der Zähne zu verbessern.

Waren die Therapiemaßnahmen erfolgreich, so verfügt der Patient wieder über ein harmonisch funktionierendes Zusammenspiel von Zähnen, Kiefer und den am Kauen beteiligten Muskeln.