Unglaublich, aber wahr: Am Freitag, dem 28.08.2002 gegen 18 Uhr, übten wir mit unserer ältesten Papageiendame Wilma auf der Terrasse das Fliegen. 40 cm zurück in den Käfig ging schon vorher, jetzt lockten wir sie vom Käfig zu uns. Drei Mal ging alles gut, die “Papageieneltern” waren schrecklich stolz und negierten alles, was sie je gelesen hatten. Beim 4. Mal verfehlte sie uns, schaffte die Landung auf dem Geländer nicht, erschrak, schlug zwei Mal mit den Flügeln, bekam Aufwind und wir konnten einen perfekten Flug eines Rotbugaras in freier Natur verfolgen. Allerdings nicht lange, denn nach 5 Sekunden war Wilma nicht mehr zu sehen.

30 Min. später wurde sie ca. 500 m entfernt gesichtet, flog aber weiter. Obwohl fast das ganze Tal bis in die Nacht mit uns suchte, wurde sie weder gehört noch gesehen.

Von Tagesanbruch am Samstag suchten wir weiter, bis auch der letzte Bewohner des Ledro-Tals wusste, dass Wilma ein grüner Papagei ist, der noch gefüttert werden muss.

Um 18 Uhr gingen wir noch einmal los, obwohl wir eigentlich keine Hoffnung mehr hatten. Plötzlich hörte Petra einen Papageienschrei, keine 100 m von unserem Haus entfernt. 

Hier bei 1 saß sie und schrie. Petra begab sich auf den oberen Balkon der Pizzeria und lockte Wilma. Sie hangelte sich 2-3 Äste herunter und versuchte mehrfach zu starten. Als sie es endlich wagte, verfehlte sie Petra und landete auf einer Tanne ca. 50 m hinter dem Haus. Jetzt saß sie bei 2 fast ganz oben.

Inzwischen holte Uli den Käfig mit den Geschwistern, die wir zum Schreien animierten. Diesmal konnten wir auch einen besseren Abstand (ca. 45°) einhalten, was ihr eine Landung erleichtern würde (Dank an Lily von den Vogelforen für ihren Beitrag -Wie fängt man entflogene Graue?-). Nach 10 Min. konnten wir sie wieder zu einem Start bewegen. Sie versuchte, in mehreren Schleifen Höhe zu verlieren, doch wahrscheinlich abgelenkt durch einen Schwarm Schwalben, der sich ihr anschloss, landete sie 300 m weiter auf einer riesigen Tanne bei 3.

Dort war sie so außer Atem, dass sie in der nächsten halben Stunde nur einen einzigen Kontaktschrei von sich gab. Der Versuch, den Baum zu besteigen, scheiterte an der Dichte der Äste.

Nach zermürbendem Warten, heisser ge- schrienen Stimmbändern und der beginnenden Dämmerung im Nacken, flog sie los und landete nach zwei Runden auf einer relativ kleinen Tanne ziemlich nahe bei uns (4). Hier startete sie nach weniger als einer Minute erneut und landete direkt hinter uns auf einer 5 m Eberesche (5).

Kopfüber gelandet, war sie zuerst mal 5 min. damit beschäftigt, auf den dünnen Ästen ihr Gleichgewicht zu finden. Danach flog sie los, drehte 2 tiefe Kreise um Petra. Leider erschrak sie durch die Jubelschreie eines Kleinkindes noch einmal, landete aber glücklicherweise in einem 2,5 m hohen Buchenbusch (na ja, eher eine Notlandung). (s. 6)

Petra kam allerdings nicht ganz ran, doch Wilma lies sich einfach rückwärts in ihre hochgestreckten Hände fallen.

Unter Applaus der bis dahin kaum wahrgenommenen Zuschauer setzten wir Wilma zu ihren Geschwistern in den Käfig zurück.

Nachdem die Anspannung der letzten 24 Stunden von uns abgefallen war und Wilma eine grosse Portion Futterbrei im Kropf hatte, feierten wir in der Pizzeria mit allen Helfern (großen und kleinen) den glücklichen Ausgang unserer Dummheit.