Zahnarztpraxis damals und heute – Interview mit Dr. Walter Wild

Rasante Entwicklung des Stuttgarter Zahnarztes

Reporter: Guten Tag Herr Dr. Wild. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben für ein Interview. Was viele sicherlich interessiert: Behandeln Sie mit über 85 Jahren noch Patienten?

Dr. Wild: Ja, noch heute behandle ich den einen oder anderen Patienten, die mir mittlerweile seit über 50 Jahren treu geblieben sind.

Reporter: Sie haben 1954 begonnen als Zahnarzt in Stuttgart zu praktizieren. Wie muss man sich das vorstellen?

Dr. Wild: Der Neubeginn damals bedeutete harte Arbeit. Der erste Eintrag in meinem Praxiseinnahmebuch waren DM 5,00 und fast einen Monat später kam erst der zweite Eintrag in Höhe vom DM 14,00. Die Schreibtischarbeit wurde damals in ungefähr 2 Stunden pro Tag erledigt und nicht wie heute, bei meinem Sohn Ulrich, mit 9 Vollzeitkräften und über 40 Computern.

Reporter: Was waren das für Instrumente und für Techniken, mit denen ein Zahnarzt damals behandelte?

Dr. Wild: 1954 gab es weder Turbinen noch diamantierte Bohrer. Das Handstück zum Bohren wurde damals über ein Seilsystem angetrieben – der eine oder andere erinnert sich mit Sicherheit noch an die starke Vibration und das Geräusch. Erste Turbinen mit Wasserkühlung gab es erst 1961. In den 70er Jahren wurden neue Behandlungseinheiten entwickelt. Erst ab da wurde der Patient liegend behandelt und durch vierhändiges Arbeiten erhöhten sich die Übersicht und dadurch auch die Qualität. So wurden für uns Zahnärzte auch Rückenprobleme stark vermindert.

Reporter: Waren Sie anderen Zahnärzten in Stuttgart an Modernität voraus?

Dr. Wild: Das kann ich nicht behaupten beziehungsweise ich weiß es nicht. Was ich allerdings mit Sicherheit sagen kann ist, dass die 80er Jahre einen Innovationsschub im Bereich hochwertiger Zahnheilkunde brachten, der auch vor meiner Praxis nicht Halt machte. 1984 bekamen wir einen Computer für die Abrechnungen – dieser hatte am Anfang nicht mal eine Festplatte. Als dann mein Sohn Ulrich 1986 in die Praxis einstieg waren die Räumlichkeiten endgültig zu klein und nur ein Jahr später zogen wir mit der Praxis in die Charlottenstraße 4.

Reporter: Sie haben über 50 Jahre Patienten behandelt – was für ein Resümee ziehen Sie?

Dr. Wild: Rückblickend kann ich feststellen, dass ein großer Teil des Erfolgs einer kontinuierlichen und fortschreitenden Entwicklung entspringt. Erfahrungswerte spielen hierbei eine große Rolle – allerdings gehört auch ein bisschen Mut zum Risiko dazu. Trotzdem sollte bei aller Bereitschaft, auf Neues einzugehen, nicht auf alt bewährtes verzichtet werden, da so die Behandlung auf eine solide Basis gestellt wird.

Reporter: Was für einen Wunsch haben Sie für die Zukunft der Zahnarztpraxis?

Dr. Wild: Ich blicke mit dem Wunsch, dem Patienten eine moderne Behandlung zu bieten und gleichzeitig durch Konstanz Sicherheit zu geben, der Zukunft entgegen. Und für mich selber freue ich mich, wenn ich noch eine Weile praktizieren kann.

Reporter: Vielen Dank für das Interview Herr Dr. Wild.